Resultate 2014

77. Historisches Pistolen - Rütlischiessen

Die Urner Bechergewinner

Paul Stutz krönt seine Schützenkarriere mit dem Rütlisieg

Das beste Urner Resultat auf dem Rütli schoss Ruth Planzer, die mit ihren 65 Punkten den hervorragenden 4. Schlussrang belegte. Den Meisterbecher gewann Stefan Gamma mit 63 Punkten und die Urner Sektionsbechergewinner heissen Christian Klötzli, Heidy Huser, Mario Garrisi, Monica Tresch und Dario Gisler.

Ein wunderschöner Herbsttag mit milden Temperaturen erwartete die Pistolenschützen und deren Anhang am Sonntag auf dem Rütli. Dank diesen angenehmen äusseren Bedingungen – weder blies Wind noch blendete die Sonne – wurde es ein fairer Wettkampf für die über 900 angetretenen Schützen aus den 96 Gast- und 5 Stammsektionen. Das OK, unter der Leitung vom Urner Regierungsrat Beat Arnold, und seinen über 100 Helferinnen und Helfer leistete einmal mehr ausgezeichnete Vorbereitungs- und Schützenfestarbeit. Zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Militär, darunter Festredner Filippo Lombardi, Ständerat aus dem Tessin, sowie viele Schlachtenbummler säumten das Rütligelände. „Für mich ist es spannend und lässig hier am geschichtsträchtigen Schiessen dabei sein zu dürfen“, meinte Frau Landamann Heidi Z’graggen. Auch Landratspräsident Markus Holzgang, der erstmals an einem solchen Anlass dabei war, beobachtete interessiert das Geschehen.

Tagessieger wurde der Zürcher Paul Stutz

Punkt 8.25 Uhr ertönte der Befehl vom eidgenössischen Schiessoffizier Kreis 16, Oberst im Generalstab Hans Wyrsch: “Schützen bereit machen, drei Patronen laden, drei Schuss in einer Minute, Feuern“! Das 50 Meter Rütliprogramm beinhaltete 15 Schuss auf die spezielle Rütli-scheibe B5 (drei Schüsse Seriefeuer in einer Minute, sechs Schüsse Seriefeuer in zwei Minuten und sechs Schüsse Seriefeuer in einer Minute. Bevor der Pulverdampf richtig verzogen war, trat die Zeigermannschaft, die unter anderem aus rund 20 Urner Kindern bestand, unter der Leitung von Beat Truttmann, in Aktion und zeigten nach alter Väter Sitte mit der Kelle die geschossenen Resultate. Der spätere Sieger, Paul Stutz vom Schiessverein der Kantonspolizei Zürich, schoss schon frühmorgens das Siegesresultat von 67 Punkten. Auch wenn das letzte Jahr noch 65 Punkte für den Sieg reichten, musste Paul Stutz doch sehr lange um den Tagessieg zittern, weil die äusseren Bedingungen den ganzen Tag perfekt blieben. Nach der Siegerehrung, wo der leidenschaftliche Pistolenschütze mit Jahrgang 1955 mit dem Kopfkranz geschmückt wurde und zudem als Preis eine Ordonnanz-Pistole überreicht bekam, sagte Paul Stutz: „Mit dem heutigen Sieg habe ich ein grosses Ziel erreicht, denn diese Bundesgabe fehlte noch in meiner Sammlung. Ich war schon bei der letzten Austragung mit dem dritten Gesamtrang nahe dran, aber heute hat alles für mich gepasst. Ich kam mit dem Ziel 67 Punkte zu erzielen hierher und die Rechnung ist für mich perfekt aufgegangen“. Mit 66 Punkten verpassten Thomas Huber vom gleichen Verein wie der Sieger, und Walter Arnold von der Schützengesellschaft Luzern den Sieg knapp und platzierten sich auf den Ehrenplätzen.

Urner kehrten mit sechs Bechergewinnern nach Hause

 In der ersten Ablösung, bei der auch OK-Präsident Beat Arnold und Stefan Gamma von der Pistolensektion Altdorf-Erstfeld dabei waren, gab es eine erste positive Überraschung aus Urner Sicht. Stefan Gamma, der seit einem Jahr Präsident dieser Sektion ist, schoss spitzen-mässige 63 Treffer. „Ich schiesse seit sechs Jahren mit der Pistole, vorher habe ich mit dem Gewehr über die 300-Hundert Meter Distanz geschossen. Nachdem ich letztes Jahr hier 58 Treffer erzielt hatte, war ich heute doch sehr positiv überrascht, dass ich 63 Punkte erzielen konnte. „Für mich war es ein leichter Vorteil, dass ich vor Sonnenaufgang in der ersten Ablö-sung schiessen konnte und bin sehr stolz auf den Gewinn des Meisterbecers“. Ich hatte schon vor dem Start ein gutes Gefühl und als ich dann mit zwei „Fünfer“ starten konnte, lief es mir wie von selbst“. Die Pistolenschützen Altdorf-Erstfeld gewannen den 2. Platz bei den Stammsektionen hinter der Siegermannschaft aus Stans. Ein absolutes Spitzenresultat erzielte einmal mehr Ruth Planzer mit 65 Punkten, dies war zugleich das viertbeste Ergebnis aller Schützinnen und Schützen: „Für mich stimmte heute alles, insbesondere als ich für die ersten drei Schüsse die Maximalpunktzahl geschrieben bekam. Obwohl die Sonne zu diesem Zeit-punkt schon auf die Scheiben schien, störte mich dies nicht und bin natürlich mit dem vierten Schlussrang sehr zufrieden“. Für den Becher brauchte es dieses Jahr mindestens 50 Treffer. Dies gelang Christian Klötzli (54 Punkte), Heidy Huser (52), Mario Garrisi (52), Monica Tresch (52) und Dario Gisler (50). Beim Empfang des Rütlibechers strahlte Heidy Huser über das ganze Gesicht: „Ich bin so glücklich, dass mir dieser Erfolg heute und hier gelungen ist, denn mit der Pistole schiesse ich jeweils nur das Feld- und Obligatorisch Schiessen. Sonst schiesse ich das ganze Jahr über die 300-Meter Distanz mit dem Standartgewehr“.

Die Schützen lassen sich nicht entwaffnen und entmündigen

Regierungsrat und OK Präsident Beat Arnold sprach an der traditionellen Rütli Schützengemeinde den Dank an die Schützen und Gäste aus. Einen besonderen Gruss richtete er an die fünf Gastsektionen: Pistolenclub Lengnau BE, Pistolenclub Luchsingen, Societad da tregants Samedan, Psitolen-Schiessverein Affoltern am Albis und den Infanterieschiessverein Hirslanden-Riesbach, die erstmals hier dabei waren. „650 Jahre, nachdem die Urner die Leventina erobert hatten, bin ich als Airoleser nun der zweite Tessiner nach Bundesrat Nello Celio, der übrigens aus Ambri kam, der die Festrede hier halten darf“, sagte Ständerat Filippo Lombardi. „Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb die Zentralschweizer den Eishockey-Club Ambri in ihre Herzen geschlossen haben. Ich hoffe, dass dies eine gute Voraussetzung dafür ist, damit die Sanierungsröhre am Gotthard fertig erstellt ist, bevor die alte Röhre saniert werden muss und das Tessin dadurch nicht von der übrigen Schweiz isoliert wird. Wir sind heute nicht nur hier um sportliche Wettkämpfe, das schöne Wetter und das gemütliche Zusammensein zu geniessen, sondern wir sind hier, um etwas Historisches zu tun, denn das Rütli ist ein Bestandteil unserer Schweizer Geschichte. Wir Schützen lassen uns nicht entwaffnen und entmündigen, wie das gewisse Kreise in der Schweiz immer wieder verlangen. Das Rütli ist ein symbolischer Platz und Bestandteil unserer Identität. Wir wollen in die Zukunft blicken, denn wir sind uns unserer Traditionen bewusst. Wir wissen wohin wir wollen und was wir wollen, denn ein Volk ohne Vergangenheit hat auch keine Zukunft“, glaubt Filippo Lombardi. Auch der Chef der Armee, Andre Blattmann rühmte das Volksmodell der Schweiz. „Dies ist gut so und soll auch so bleiben“, forderte Blattmann. „Ich stelle immer wieder erleichtert fest, dass die Schützen zusammenhalten und wir uns auf sie zählen können“.

Der Berichterstatter:

Paul Gwerder

Fotos: Paul Gwerder 

Die Urner Bechergewinner: (von links) Christian Klötzli, Sektionssiegerin Ruth Planzer, Dario Gisler, Monica Tresch, Stefan Gamma und Heidy Huser , 

Resultate unter: www.pistolen.ruetlischiessen.ch